Aktuelle Veranstaltungen

 

Im April lautet das Monatsmotto „Reise zu sich selber“

Dazu gibt es zwei Veranstaltungen, bei denen es zum einen um das Reisen als Erfahrungsraum geht, zum anderen um Ändern der Geschlechtsidentität als „Reise zu sich selber“.

 

07.04.2026 Auf den Spuren von Georg Forsters Polynesienreise (1772-1775)

Der 17-jährige Georg Forster nahm 1772 zusammen mit seinem Vater, einem leidenschaftlichen Naturwissenschaftler, an der zweiten Weltreise von James Cook nach Polynesien als Zeichner teil. Seine Haltung gegenüber den Bewohnern der Südsee war gekennzeichnet von Einfühlung, Sympathie und weitgehend ohne christlich-abendländische Vorurteile. Zugleich hütete er sich vor einer Idealisierung der „edlen Wilden“. Sein Bericht „Reise um die Welt“ gilt als der Beginn der modernen deutschen Reiseliteratur.

An diese historische Perspektive knüpft Jessica Purkhardt an. Sie ist Journalistin und Podcasterin und berichtet seit drei Jahren in einem historischen Reisepodcast von ihren Reisen auf den Spuren von James Cook aus der Perspektive des jungen Deutschen Georg Forsters. Im Zentrum der Veranstaltung stehen ihre Erfahrungen in der Südsee, insbesondere aus Polynesien. Neben paradiesischer Natur begegnete ihr auf Samoa das Phänomen der Faʻafafine, eine Person biologisch männlichen Geschlechts, die eine weibliche Geschlechtsrolle annimmt und darin anerkannt wird. Diese queere Normalität, die weder medizinisch noch moralisch reguliert ist, faszinierte Purkhardt, die selbst eine transidente Biografie hat. Auf ihrer Reise wurde der Vergleich zwischen historischen Quellen und erlebter Gegenwart zu einem zentralen Erkenntnismoment. Die Veranstaltung verbindet Reisebericht, historische Spurensuche und queere Perspektiven und lädt zur gemeinsamen Diskussion ein.

 

21.04.2026 Die Freiheitssuche der Catharina Margaretha Linck (1687-1721)

Aus Gerichtsakten und anderen Archivalien rekonstruierte Angela Steidele das Leben eines Mädchens aus ärmlichen Verhältnissen, aber mit ausgeprägtem Freiheitsdrang und Selbstbewusstsein, das 1696 erstmals aus dem pietistisch geprägten strengen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen in Glaucha weglief. Nach einer Lehre bei einem Knopfmacher geht sie wie männliche Gesellen auf Wanderschaft. In Calbe an der Saale zieht sie zum erstenmal Männerkleider an, vieleicht, weil sie sich davon berufliche Vorteile versprach. In Männerkleidern schloss sie sich als Orientierung suchender junger Mann den Wanderpredigern einer radikal-pietischen Sekte an und wurde von dieser Gemeinschaft 1704 in der Pregnitz bei Nürnberg auf den selbstgewählten Namen Anastasius Lagrantinus Rosenstengel getauft. Die Männerkleidung eröffnete ihr ab 1705 berufliche und gesellschaftliche Anerkennung u.a. als Soldat der kurfüstlichen Truppen des Kurfürsten von Hannover. Als Deserteur entging sie 1708 nur dadurch der Todesstrafe, weil sie beichtete, eigentlich eine Frau zu sein. Es folgen weitere Soldatenjahre. 1717 heiratete sie/er die 19-jährige Geliebte Catharina Margaretha Mühlhahn aus Halberstadt. Ihr Begehren nach sexuellen Kontakten mit Frauen setzte sie mit Hilfe eines Kunstpenis aus Leder und Schweinsblasen in die Tat um. Unter dem Vorwand, nach „Seelenheil" zu suchen, überlebten die Eheleute kurze Zeit in einem Jesuitenkolleg, mussten dann aber wieder Betteln gehen. Catharina / Anastasius kehrte verarmt zur Mutter nach Halberstadt zurück, ließ sich dort wegen des Taufgelds von 26 Talern lutherisch taufen, um ihre Ehefrau zu sich holen zu können. Bei einem Handgemenge mit der mißtrauischen Schwiegermutter, wurde die Penisattrappe entdeckt und es begann ein Prozess, an dessen Ende der homophobe „Soldatenkönig“ Friedrich I. die vom Kriminalgericht ausgesprochene milde Zuchthausstrafe in die Todesstrafe umwandelte. Am 8.11.1721 wurde Catharina Linck als letzte Frau in Europa wegen Unzucht mit einer anderen Frau hingerichtet. Aus dem Buch „In Männerkleidern“ von Angela Steidele liest und erzählt Käthe Fleckenstein.

 

 

Alle Veranstaltungen finden nach jetziger Planung „live“ im Switchboard statt.

Alte Gasse 36, 60313 Frankfurt am Main, von 14:30 bis ca. 17 Uhr. Die eigentliche Veranstaltung beginnt gegen 15 Uhr.

 

Bei akuten Infektionen bitte zu hause auskurieren!

 

Damit wir wegen der begrenzten Sitze im Switchboard (maximal 25 Sitzplätze) niemanden wegschicken müssen, bitten wir um Anmeldung unter cafekarussel@gmx.de.

 

Alle Veranstaltungen dauern ungefähr 1 1/2 Stunden.

Das Switchboard in der Alten Gasse 36 öffnet wie immer um 14:30 Uhr,

die eigentliche Veranstaltung beginnt gegen 15:15 Uhr.

 

Außerdem:

Jeden Dienstag in der Zeit von 14:00 bis 16:00 Uhr bietet ein qualifizierter Berater der AG36 – Schwules Zentrum – telefonische (069) 295959 und persönliche Beratung für homosexuelle Männer 60 plus in der Alten Gasse 36 an.

 

Datenschutz

Impressum