Aktuelle Veranstaltungen
Im Oktober lautet das Motto „Werkstattgespräche“. Wir stellen Texte aus der Werkstatt von zwei Autoren vor.
06.10.2026 Werkstattberichte I: Ralph Roger Glöckler - Schreiben als Reise.
Viele ältere Schwule denken bisweilen darüber nach, zu schreiben, sei es ihre Lebenserinnerungen oder sogar Literarisches wie Kurzgeschichten oder Romane. Die Phantasie, schreiben zu wollen, ist eine Sache, ernsthaft und auch nicht nur zeitweise zu schreiben eine andere. Ralf Roger Glöckler wird im Gespräch mit dem langjährigen Karussell-Gast Bernard Schyma darüber berichten, wie er freier Schriftsteller wurde, welche Lebensprozesse und -krisen er dabei zu bewältigen hatte und wie sich der Prozess seines Schreibens im Laufe der Jahre geändert hat. Er wird dazu Auszüge aus seinen Texten "Zerrissene Jungs" und "Max", die im Novellenband "Gott rümpft die Nase nicht" (2026) veröffentlicht sind, sowie aus dem Roman "Ein roter Straßenkreuzer" (2024) und aus der Novelle "Luzifers Patenkind" (2022/2024) über den schwulen US-amerikanischen Maler Marsden Hartley lesen. Alle Bücher sind im Kulturmaschinen Verlag erschienen. Das Werkstattgespräch soll Karussell-Gäste auch dazu anregen, darüber nachzudenken, ob sie sich den Anstrengungen, Selbstzweifeln, aber auch dem Glück eines fertig gewordenen Textes stellen wollen. Ich möchte mich besonders bei Bernhard Schyma bedanken, der sich freundlicherweise bereit erklärt hat, diese Veranstaltung während meines Urlaubs zu gestalten.
20.10.2026 Werkstattberichte II: Architekturgeschichte privat im Nationalsozialismus.
Wolfgang Voigt, ehemaliger stellvertretenden Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, berichtet uns über den aus jüdischer Familie stammenden Architekten Karl-Erich Loebell (1905-1993), der 1925 als Student an die Architekturabteilung der Technischen Hochschule in Stuttgart kam. Schon bald ist er der Meisterschüler und Assistent des charismatischen Architekturlehrers Paul Schmitthenner (1884-1972), in den er sich auch platonisch verliebt. Zudem wird er der Liebhaber von dessen Sohn Martin Schmitthenner (1911-1940), Nazi-Gegner und Aussteiger im permanenten Konflikt mit dem Vater. Loebell wird als Mitglied in die Familie aufgenommen, aber schon bald komplizieren sich die Verhältnisse. Denn der Übervater Paul Schmitthenner schließt sich den Nationalsozialisten an. Loebell muss wegen seiner jüdischen Herkunft 1933 die Hochschule verlassen. 1944 folgt die Deportation zur Zwangsarbeit nach Frankreich, aus der Loebell aber fliehen kann und im Versteck überlebt. Für Wolfgang Voigt, den ehemaligen stellvertretenden Direktor des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt, begann die Recherche im Frühjahr 1984, als ihm in der Schmitthenner-Familie von Claus Graf von Stauffenberg und dessen Brüdern berichtet wurde, die in Schmitthenners Haus verkehrten und ihren Mitschüler Martin Schmitthenner in ihren Stefan-George-Zirkel aufnahmen. Über diese hochspannende Dreiecksgeschichte und ihre politischen und literarischen Implikationen hat Voigt ein Buch verfasst, das 2027 erscheinen wird.
Alle Veranstaltungen finden nach jetziger Planung „live“ im Switchboard statt.
Alte Gasse 36, 60313 Frankfurt am Main, von 14:30 bis ca. 17 Uhr. Die eigentliche Veranstaltung beginnt gegen 15 Uhr.
Wegen des zu erwartenden großen Interesses bitten wir um Anmeldung zu dieser Veranstaltung unter cafekarussel@gmx.de.
Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass die Sitzplätze für das Stammpublikum des Cafe Karussell reserviert sind.
Alle Veranstaltungen dauern ungefähr 1 1/2 Stunden.
Das Switchboard in der Alten Gasse 36 öffnet wie immer um 14:30 Uhr,
die eigentliche Veranstaltung beginnt gegen 15:15 Uhr.
Außerdem:
Jeden Dienstag in der Zeit von 14:00 bis 16:00 Uhr bietet ein qualifizierter Berater der AG36 – Schwules Zentrum – telefonische (069) 295959 und persönliche Beratung für homosexuelle Männer 60 plus in der Alten Gasse 36 an.
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